Klinische Psychologie I

Leiterin:

Univ.-Prof. Mag. DDr. Elisabeth Margarete Weiss

Mitglieder:

Dipl.-Ing. Mag. Mag. Markus Canazei, MSc PhD

Priv.-Doz. Mag. Dr. Liane Kaufmann

Therapeut und Patient
Fokus
  • Anwendungsbezogene Forschungsthemen befassen sich vor allem mit der Auswirkung von verschiedenen Interventionen (z.B. Psychotherapie, Lichttherapie, Bewegung, kognitives Training) auf affektive und kognitive Prozesse bei gesunden Personen und PatientInnen mit psychiatrischen und neurologischen Erkrankungen.


Präventions- und Gesundheitsaspekte
  • biopsychologische Korrelate verschiedener psychiatrischer, neurologischer und internistischer Erkrankungen

  • Psychophysiologische Stressreaktivität und Erholung

  • neurobiologische Korrelate der Emotionswahrnehmung und -regulation bei gesunden ProbandInnen, Personen mit psychischen Erkrankungen (z.B. Schizophrenie, Autismus, Depression) und im Kontext von Bedingungen, die biologisch und psychologisch eine Herausforderung darstellen (z.B. Traumatisierung)

  • Geschlechtsunterschiede bezüglich affektiver und kognitiver Traits sowie in der Psychopathologie.


Lebensspanne
  • Veränderungen in kognitiven und sozial-emotionalen Funktionen im Alter und bei dementiellen Erkrankungen


Konkrete drittmittelgeförderte Projekte
  • Internet-basierte klinisch-psychologische Selbsthilfe-Intervention für Beschäftige im Gesundheitswesen

  • Entwicklung und Evaluation eines webbasierten Stressmanagement-Selbsthilfetrainings für stationäres Altenpflegepersonal (kooperatives FFG-Projekt, https://projekte.ffg.at/projekt/3840316)

    • Arbeitsbedingter Stress bei Beschäftigten im Gesundheitswesen ist seit vielen Jahren beschrieben worden und diese Berufsgruppe ist derzeit durch die COVID-19-Krise zusätzlich maßgeblichem Arbeitsstress ausgesetzt und stellt somit eine Risikogruppe für langfristige psychische Gesundheitsprobleme dar. 

    • Ein neuer, kostengünstiger, großflächig verfügbarer Ansatz zur Reduktion des Stresslevels bei Beschäftigten im Gesundheitswesen (Pflegekräfte, Krankenhauspersonal etc.) sind internetgestützte Stress-Management-Trainings (iSMT), die auf bewährte Methoden der kognitiven Verhaltenstherapie zurückgreifen. Gegenwärtig steckt die Forschung zur Wirksamkeit dieser Trainings in Österreich noch in den Kinderschuhen. 

    • Das in diesem Projekt mit einem Tiroler Unternehmen entwickelte iSMT soll in einer Akzeptanz- und Usability-Studie vorerst anhand einer Pilotstudie an Studierenden und anschließend an Beschäftigten im Gesundheitssektor evaluiert werden. 

    • Das Studienprotokoll wurde im Deutschen Register für Klinische Studien vorab registriert; siehe: https://www.drks.de/drks_web/navigate.do?navigationId=trial.HTML&TRIAL_ID=DRKS00027323

  • Stresssymptomatik bei Studierenden und bei Bildschirmarbeit und Interventionsmöglichkeiten

  • Stresssymptomatik bei Studierenden während der Covid-19 Pandemie im zeitlichen Verlauf

    • Bisherige Studien zeigen auf, dass akademischer Stress durch den steigenden Leistungs- und Konkurrenzdruck sowie die Angst, trotz hochwertiger Ausbildung Schwierigkeiten in der Arbeitsplatzsuche zu haben, ein signifikantes Problem für viele Studierende darstellt. 

    • Der Ausbruch der COVID-19 Pandemie hat deutliche Auswirkungen auf den Universitäts-alltag, da Lehr- / Lernaktivitäten durch Online- und Fernunterricht ersetzt werden mussten und sich dadurch die Stressbelastung der Studierenden zusätzlich erhöht hat. 

    • Erste Forschungsergebnisse weisen darauf hin, dass Unsicherheit, Intensivierung des Informationsflusses durch Online/Fernlehre, sowie Einsamkeit während der landesweiten Schließung der Universitäten zugenommen haben und zu einem hohen Maß an Stress, Angst und Depression bei Studierenden geführt haben.

    • Im Rahmen von mehreren Studien soll einerseits die aktuelle Stressbelastung von Studierenden durch die Umstellung auf Fernlehre untersucht werden und andererseits die psychischen Auswirkungen der Pandemie (z.B. Traumatisierung, psychische Symptome wie Depression, Angstsymptome etc.) erhoben werden und mit Daten von Studierenden die im Rahmen von früheren Projekten erhoben wurden, verglichen werden.

  • Reduktion der Stresssymptomatik bei Studierenden in der Prüfungsvorbereitungszeit mit Hilfe von Lichtinterventionen (kooperatives FFG-Projekt; https://projekte.ffg.at/projekt/3757202)

    • Stress stellt für viele Studierende ein erhebliches Problem dar und ist ein wichtiger Risikofaktor für reduzierte akademische Leistungen und verminderte psychische und physische Gesundheit. Die Stressbelastung ist dabei besonders hoch in Prüfungsvorbereitungsphasen.

    • Im Projekt BLISS (=Bright Light Interventions for Students‘ Stress) werden mit einem Tiroler Wirtschaftspartner zwei innovative Tischlichtkonzepte für Lernarbeitsplätze von Studierenden entwickelt. 

    • Mit diesen Lichttechnologien werden im Anschluss zwei randomisierte, kontrollierte Studien (im Labor und im Feld) durchgeführt, in welchen die modulierenden Wirkungen von regelmäßigen hellen Lichtexpositionen auf psychophysiologische Stressreaktionen und maladaptive Coping-Strategien bei Studierenden mit stark erhöhter Stressbelastung (Prüfungsvorbereitungszeit) untersucht.

    • Das Studienprotokoll zur Feldstudie wurde im internationalen Register für Klinische Studien vorab registriert; siehe: https://clinicaltrials.gov/ct2/show/NCT04900675

  • Reduktion genderspezifischer Belastung und physiologischer Beanspruchung am Bildschirmarbeitsplatz (kooperatives FFG-Projekt; https://projekte.ffg.at/projekt/4088476)

    • Mehr als die Hälfte aller Europäer:innen arbeiten heute an einem Bildschirmarbeitsplatz. Diese Art der Arbeit generiert besondere Belastungen, die vielfach von Menschen spät oder gar nicht wahrgenommen werden.

    • Im vorliegenden Projekt wird mit einem Tiroler Unternehmen ein kontaktloses Belastungsmonitoring-System zur kontinuierlichen Aufzeichnung von Sehbelastungen und Belastungen des Haltungsapparats am Bildschirmarbeitsplatz entwickelt. Dieses System soll dann über regelmäßige Lichtfeedbacks unaufdringlich Nutzer:innen zu Verhaltensmodifikationen anregen.

    • Weiters wird eine am Körper getragene Sensorik zur Erfassung kardiovaskulärer Beanspruchungsparameter verwendet werden, um im Rahmen von Mikropausen bzw. während der Bildschirmarbeit ein lichtbasiertes Biofeedbackatemtraining Nutzer:innen anzubieten.

    • Funktionsmuster beider Systeme werden in zwei Laborstudien hinsichtlich ihres Gebrauchsnutzens und erster Effekte geprüft. In weiterer Folge werden in zwei Feldstudien die Funktionsmuster an realen Bildschirmarbeitsplätzen installiert und unter natürlichen Arbeitsbedingungen evaluiert.

  • Service-Center für Studierende mit Aufmerksamkeitsstörungen, Autismus, Lernstörungen

    • Der Aufbau und die Etablierung einer Serviceeinrichtung für Studierende der Universität Innsbruck mit Aufmerksamkeitsstörungen (ADHS), Autismus und Lernstörungen (S-AAL) steht im Vordergrund dieses Projekts. Die Serviceeinrichtung S-AAL soll fakultätsübergreifend für alle betroffenen Studierenden gratis zugänglich sein. Die Leistungen von S-AAL umfassen neben der Information und Beratung auch diagnostische und Unterstützungsangebote. Für viele Betroffene ist die Abklärung bzw. Diagnose der oben genannten Krankheitsbilder relevant, da die Studierenden den Nachweis einer klinisch-psychologischen Diagnose benötigen, um sich für modifizierte Prüfungsmodalitäten zu qualifizieren. 

    • S-AAL wird auch als Lehr- und Forschungsambulatorium geführt, zu dessen Kernaufgaben sowohl die Ausbildung von Klinischen Psycholog*innen als auch die Durchführung von Forschungsprojekten unter Mitwirkung von Studierenden des Fachbereichs Psychologie gehören. 

  • Videospiele und mentale Gesundheit 

    • Die verstärkte Nutzung von Videospielen während der Zeit der COVID 19-Pandemie hat sowohl das Interesse der Forschung als auch der Öffentlichkeit an möglichen Zusammenhängen mit der mentalen Gesundheit verstärkt. Jedoch ist eine reine Betrachtung der Zeit vor dem Bildschirm oder der verbrachten Zeit mit Videospielen in diesem Zusammenhang unzureichend. Die Motivation, die hinter dem Spielen von Videospielen steht, sowie die Spielart, scheinen bei der Untersuchung des Zusammenhangs mit der mentalen Gesundheit von größerer Bedeutung zu sein. So haben frühere Studien gezeigt, dass motivationale Variablen und spezifisches Spielverhalten entscheidende Moderatoren des potenziellen Zusammenhangs zwischen Videospielen und psychischem Wohlbefinden zu sein scheinen. 

    • In mehreren Studien sollen nun die Zusammenhänge zwischen mentaler Gesundheit und Videospielen untersucht werden. Insbesondere soll die Rolle von sozialen Videospielen berücksichtigt werden (z.B. kompetitive und kollaborative Spiele).

  • Plattform für technikgestützte Pflege und Betreuung von zu Hause lebenden Menschen mit Demenz (https://www.telecarehub.at/)

Publikations-Highlights
  • Benke, T.; Marksteiner, J.; Ruepp, B.; Weiss, E.M.; Zamarian, L. Decision Making under Risk in Patients Suffering from Schizophrenia or Depression. Brain Sci. 2021, 11, 1178. https://doi.org/10.3390/ brainsci11091178

  • Dalkner, N.; Bengesser, S.; Birner, A.; Rieger, A.; Seebauer, J.; Platzer, M.; Hamm, C.; Maget, A.; Queissner, R.; Pilz, R.; Fellendorf, F. T.; Reininghaus, B.; Strassnig, M. T.; Kapfhammer, H. P.; Weiss, E. M.; Reininghaus, E. Z (2021): Body Mass Index Predicts Decline in Executive Function in Bipolar Disorder: Preliminary Data of a 12-Month Follow-up Study.In: Neuropsychobiology 80/1, S. 1 - 11.

  • Canazei M, Papousek I, Weiss E (2021). Light intervention effects on circadian activity rhythm parameters and nighttime sleep in dementia assessed by wrist actigraphy: a systematic review and meta-analysis. The Gerontologist. doi: 10.1093/geront/gnab168 (open access)

  • Bramboeck, V., Moeller, K., Marksteiner, J., & Kaufmann, L. (2020). Loneliness and burden perceived by family caregivers of patients with Alzheimer Disease. American Journal of Alzheimer’s Disease & Other Dementias, 35, 1-8. DOI: 10.1177/1533317520917788